"Lesen lernt man durch lesen, Schreiben durch schreiben"
Den Kern der umfassenden Behandlungsmaßnahmen bildet die Arbeit mit dem Sprachgegenstand, d.h.
wir schreiben und lesen mit dem betroffenen Menschen.
Die Vermittlungsstrategien ergeben sich jedoch aus der fundierten sprachwissenschaftlichen Analyse der deutschen Rechtschreibung und den Erkenntnissen aus dem Sprach- und Schriftspracherwerbsprozess. Dabei wird - auf der Grundlage des LautAnalytischenRechtschreibSystems (LARS) - die Zerlegung (Analyse) und Zusammenfügung (Synthese) der Klanggestalt eines Wortes in seine Sprachlaute geschult. Lesen und Schreiben sind zwei unterschiedlich zu erwerbende und organisierte Fähigkeiten und werden daher auch einzeln geschult.
Aus der Vielzahl der möglichen Symptome werden besonders die Bereiche bearbeitet, die sich individuell als besonders schwierig für den Klienten herausstellen. Falls sich dies aus der vorangegangenen Förderdiagnostik als notwendig ergibt, vermittelt der Therapeut durch sorgfältige Feindifferenzierung der einzelnen Schwierigkeitsstufen:
- zunächst die gesicherte Erkenntnis über Aussehen und Funktion der einzelnen Buchstaben des Alphabets.
- das Prinzip der Lauttreue. Diese zwar "künstliche" Vereinbarung bietet dem Klienten aber die zunächst notwendige Sicherheit einer regelhaften Zuordung von Buchstaben zu Lauten und wird erst nach der sicheren Beherrschung um die regelgeleiteten abweichenden Schreibweisen in der Muttersprache erweitert.
- darauf aufbauend die Schulung der Sekundärwahrnehmung, d. h. die Lenkung der Aufmerksamkeit auf die Ausspracherhythmik und die vokalische Lautqualität von Worten als verlässliche Basis für die Anwendung der richtigen orthographischen Regeln.
- im Anschluss an die gesicherte Beherrschung dieser beim ungestörten Erwerbsprozess unbewusst
ablaufenden Wahrnehmungsleistungen erfolgt ein zusätzlicher überwiegend grammatisch orientierter Therapieteil, da es auch Rechtschreibregeln und Ausnahmen gibt, die auf der semantischen und syntaktischen Funktion eines Wortes beruhen.
Einbettung in ein therapeutisches Gesamtkonzept
Je nach den individuellen Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, des Sprechens, der Kognition und des Gedächtnisses und der subjektiven Belastungsverarbeitung der Leistungsschwächen wird dieser Therapiebereich eingebettet in ausgewählte verhaltens- oder gesprächstherapeutisch orientierte Sitzungen; zudem begleiten (spielerische) Übungen z.B. zur Schulung der Konzentration, der Wahrnehmung oder des Problemlöseverhaltens die Therapie.
Verlaufskontrolle
Während der Dauer der Therapie wird die Verbesserung der Rechtschreib- und Leseleistung des Klienten sowie das angemessene therapeutische Konzept anhand einer standardisierten Verlaufsdiagnostik reflektiert.
Seit 1992 erfassen wir die Ergebnisse unserer Eingangs- und Ausgangsdiagnostik statistisch:
wir haben bisher über 1500 Kinder untersucht, bei ca. 2/3 dieser Kinder bestand therapeutischer Interventionsbedarf, 60 % dieser Kinder wurden in einer unserer Einrichtungen betreut. Abgesehen von überwiegend subjektiv empfundener Erleichterung der psychischen Belastungen in inner- und außerfamiliären Situationen lässt sich der objektive "Erfolg" einer therapeutischen Maßnahme auch an den Ergebnissen in standardisierten Rechtschreibtests messen. Hierbei wird der jeweils erreichte Prozentrang mit dem des am Ende einer Therapie erreichten Ranges ( in der Regel nach ca. 3 Jahren) verglichen:alle Klienten erreichten eine Verbesserung ihrer Leistung im Schreiben und Lesen, 360 von 465 Klienten konnten mit einem Prozentrang zwischen 40 und 60 in ihren jeweiligen Ausbildungsweg "entlassen" werden.
Das bedeutet, ca. 3/4 unserer Klienten erreichten einen unauffälligen Leistungsstand im Bereich ihrer schriftsprachlichen Fähigkeiten.
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